ILF Mitgründer Adolf Feizlmayr erinnert sich: Der Einsatz von Tunnelbaukompetenz für ein Erdgasspeicherprojekt
Vor 40 Jahren, im Juni 1986, hat ILF der norwegischen Firma STATOIL (heute EQUINOR) im Rahmen der Machbarkeitsstudie „Storage of Gas in the Caverns of the IVG-Cavities Etzel“ das Dokument „Stability Analysis of Cavern K 128“ übergeben.
Wie es ILF gelang, diese Aufträge von IVG und später von STATOIL zu gewinnen, die Hintergründe für das Etzel-Gaslagerprojekt und unsere anfängliche Aufgabe, die sich auf die obertägigen Anlagen beschränkte, werden in unserm Buch „50 Jahre ILF“ beschrieben. Demnach sollte IVG den Untertageteil der Studie, also die Umrüstung der Ölkavernen auf Erdgasspeicherung, bereitstellen.
Entscheidend für die Verwendbarkeit der bestehenden Kavernen zur Erdgasspeicherung ist ihre Stabilität bei atmosphärischem Innendruck, ein Zustand, der im Öllagerbetrieb nie vorkommt. Diesem kritischen Zustand lag die Annahme zugrunde, dass ein Starfighter abstürzt und den Kavernenkopf derart beschädigt, dass es zum vollkommenen Druckabfall in der Kaverne kommt.
Dadurch zeigte sich, dass damals kurzfristig weder in Deutschland noch anderswo ausreichend Fachkompetenz zur Verfügung stand, um die Stabilität der Kavernen schlüssig und überzeugend zu beurteilen.
Dr. Rudolf Pöttler, einer der besten Ingenieure der jemals für ILF tätig war und der leider viel zu früh verstorben ist, hat bereits damals sehr innovativ die Stabilitätsuntersuchung für Tunnel mittels finiter Elemente durchgeführt. Als ich ihm von unserer Not erzählte und von der Befürchtung, dass das Projekt an der Stabilitätsfrage scheitert, meinte er, dass er mit seiner, für den Tunnelbau entwickelten Methode auch die Stabilität von Salzkavernen untersuchen könne. Dafür wurde dann exemplarisch die riesige Kaverne K 128 ausgewählt.
Die Stabilitätsanalyse von ILF war ohne Zweifel die technische Grundlage für die finale Entscheidung von STATOIL, die bestehenden Ölkavernen für die Speicherung von Erdgas zu nutzen und das Etzel-Gaslager zu errichten.
Dieses Beispiel zeigt, dass wir bei der nötigen Kreativität geschäftsfeldbezogene Kompetenz sehr erfolgreich für ein anderes Geschäftsfeld einsetzen können. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir die Kompetenz in bester Weise beherrschen. Das Resultat ist Engineering Excellence.
Sollte ILF vielleicht einmal eine „Hall of Fame“ errichten, hat nach meiner Einschätzung Dr. Rudolf Pöttler dort einen festen Platz.